[Rezension] Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen

Über dieses Buch bin ich in den letzten Monaten oft gestolpert und meist habe ich auch immer einen großen Bogen darum gemacht. Warum? Weil ich der Meinung war, dass ich das Buch nicht brauche. Dass meine Erziehung wunderbar ist und überhaupt: ein Ratgeber kommt mir nicht ins Haus.

Nun bin ich aber eine Mutter, die ihr eigenes Verhalten und Handeln oft selbstkritisch hinterfragt und auch mal über den Tellerrand schaut. Ich höre mir gerne andere Meinungen an, Erfahrungen anderer Mütter und tausche mich mit ihnen gern aus. Das entspannt nicht nur, sondern nimmt auch Ängste und Druck.

Warum also habe ich nun doch dieses Buch gelesen? Dafür gab es 2 Gründe: erstens und einfach ausgedrückt. Ich war neugierig. Mich lachte dieses Buch mindestens einmal am Tag an, sei es bei Facebook, bei Instagram oder auf diversen Mamablogs. Dieses Buch ist ein regelrechter Hype und das hat mich zugegebenermaßen neugierig gemacht. Ich stellte mir die Frage, welche verblüffend funktionale Art und Weise der Kindererziehung hier beschrieben wird, dass es mit Lobeshymnen nur so überhäuft wird. Und das konnte ich nur herausfinden, in dem ich es kaufte! Der andere Grund, warum ich das Buch kaufte, war Folgender: Ich als Mama hatte keinen guten Tag. Migräne und Übelkeit begleiteten mich bis zum Abend und ich war körperlich fix und fertig. Dazu kam, dass das Kind schon mit Gejaule statt mit einem stahlenden Lächeln aufwachte. Der Tag war mittags bereits im Eimer und artete in puren Stress aus. Das Kind wollte nicht essen, nicht schlafen, es gab viele Tränen (auf beiden Seiten) und als der Kleine dann doch endlich eingeschlafen war, saß ich sauer auf der Couch mit einem Glas Rotwein. Meine innere Stimme flüsterte „Na los, kauf es dir!“ und so habe ich in meiner Not und Wut heraus bei Amazon die Kindleversion heruntergeladen. So.

Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn:
Der entspannte Weg durch Trotzphasen
Autorinnen: Danielle Graf/Katja Seidel
Beltz Verlag
Klapptext:
Will das Kind NIE ins Bett? Und Treppen laufen kommt nicht infrage? Statt selbst Tobsuchtsanfälle zu kriegen, lesen Eltern lieber dieses Buch. Die Autorinnen des größten Elternblogs Deutschlands zeigen, wie man die eigenen Nerven beruhigt und das Kind gleich mit.
Das Trotzalter ist die erste heiße Phase im Leben mit dem Nachwuchs. Kaum steht es auf seinen eigenen Beinen, beginnt das Kind nach Autonomie zu streben. Der kleine Sonnenschein wird zum tellerwerfenden Wutmonster und verunsichert seine Eltern zutiefst. Die Autorinnen machen Mut, Wege abseits der klassischen Erziehung mit festen Grenzen und strenger Konsequenz zu gehen. Sie erklären, was in den Kindern vorgeht und warum Trotzphasen wichtige Entwicklungsphasen sind, die Eltern aktiv annehmen sollten, statt sie zu unterdrücken. Die witzig-persönlichen Erfahrungsberichte, praktischen Tipps und neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung sind Balsam für die Seele gestresster Eltern.

Gedanken zum Buch:

Gedanken über dieses Bedürfnisorientierte oder auch Bindungsorientierte Elternding habe ich mir schon vor der Geburt viele gemacht. Wenn man zum ersten Mal schwanger ist, liest man ja viel. Ich habe auch viel mit meiner Mutter gesprochen und über die Jahre habe ich auch eine eigene Meinung zum Thema Erziehung entwickelt. Ganz zu Anfang stellte ich mir also die Frage, was erwarte ich von meinen Kindern? Was möchte ich ihnen mit auf den Weg geben und welchen Weg möchten wir als Eltern einschlagen? Aber ganz ehrlich. All das wird mit dem ersten Schrei des Babys über Bord geworfen. Der Hormonüberschuss lässt dich sowieso nicht mehr klar denken und du machst das, was wichtig ist. Du gibst deinem Neugeborenen Nähe, Liebe und verwöhnst es nach Strich und Faden. Denn das ist es, was ein Neugeborenes braucht. Kuscheln, Liebe und Geborgenheit und zwischendurch lässt du die Milch fließen. Thats it.

Das Thema Erziehung kommt erst wieder in deine Erinnerung zurück, wenn aus dem Baby ein Kleinkind wird und der Sprössling seine Welt entdecken möchte. Wenn er die Vorliebe für Steckdosen oder Kabel entdeckt, wenn er nach Möglichkeiten sucht, die Treppe herunterzurutschen, wenn er den Herd, in dem gerade dein Sonntagskuchen bäckt, unwiderstehlich anziehend findet. Kurz gesagt, wenn die Trotzphase beginnt. Und hier sind wir dann wieder beim Thema.

In dem Buch wird zu allererst erklärt, wie denn nun das kindliche Gehirn funktioniert, wozu es in der Lage ist. Für mich war das nichts Neues, denn dass das Gehirn eines Kleinkindes noch nicht so ausgereift ist, wie das der meisten Erwachsenen, war für mich klar und logisch. Komplexe Zusammenhänge können die Kleinsten noch gar nicht erfassen und werden daher mit so mancher Strafe maßlos überfordert. Kinder sind eben Kinder und keine kleinen Erwachsenen. Hinzu kommt, dass ihr Wortschatz noch sehr begrenzt ist. Das heißt, Diskussionen auf verbaler Ebene sind schlichtweg unmöglich. Aber irgendwie müssen sie ja kommunizieren, also nutzen sie das, was ihnen zur Verfügung steht. Und hier sind wir dann bei den typischen Begleiterscheinen der Trotzphase. Schreien, Hauen, Beißen und was es nicht alles gibt. Ansich war dies ein schöner Einstieg ins Thema und damit ins Buch. Es führt Schritt für Schritt an die Problematik heran und macht meiner Meinung nach deutlich, was so manche Eltern oder Großeltern gar nicht auf dem Schirm haben.

Es folgen dann weitere Theorien über spezielle Verhaltensweisen veranschaulicht an vielen Beispielen und Lösungsansätzen. Auf eine angenehme Art und Weise verändert es Sichtweisen und zwingt den Leser einmal umzudenken. Anstatt darauf einzugehen, dass das Kind nicht kooperiert, wird eben aufgezeigt, dass es kooperiert, wir es aber nicht wahrnehmen. Entsprechende Beispiele werden gleich mitgeliefert und tragen zur Verständigung erheblich bei.

Nun habe ich ja einen 2,5-Jährigen, der bis jetzt ein sehr pflegeleichtes Kind ist. Sicher trotzt er, aber nicht in dem Maße, dass ich am Rande eines Nervenzusammenbruchs stehe. Das einzige, worüber ich mich ab und zu innerlich aufrege ist eben die Einschlafsituation oder eben schlechte Tage, weil der Lütte mal wieder einen Schub hat. Im Grunde hätte ich mir das Buch sparen können, denn gedanklich habe ich mich schon lange von der 1934-geprägten Erziehungsmethode verabschiedet, Einschlafprogramme lehne ich prinzipiell ab und überhaupt, mein Mutterinstinkt gibt mir vor, dass mein Sohn keine Strafen oder Anschreien oder Schimpfen braucht, sondern Aufmerksamkeit, Liebe und Geborgenheit. Auch mit 2,5 Jahren. Wer aber immer noch nicht verstanden hat, dass die Kleinen keineswegs kleine Erwachsene sind, der sollte sich das Buch auf jeden Fall einmal zu Gemüte führen.

Ob es nun aber entspannt durch Trotzphasen führt, kann ich nicht wirklich beantworten. Denn wie gesagt, mein Kleiner ist recht pflegeleicht. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen seiner Pflegeleichtigkeit und meinem Erziehungsstil UND seinem Charakter 😉

Zusammenfassung:

Am Ende hat sich Folgendes herauskristallisiert: ich fühle mich in meinem Bauchgefühl bestärkt und andere Mütter haben eigentlich viel schlimmere Probleme! Lesenswert ist es jedoch allemal und angesichts der Tatsache, dass es preislich gesehen im akzeptablen Rahmen liegt, eine klare Kaufempfehlung.

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